„...Das wichtigste ist Rührung zu empfinden, zu lieben, zu hoffen, zu beben.
Ein Mensch zu sein bevor man Künstler ist.“

Auguste Rodin

Im Alter von 14 Jahren habe ich meine ersten Ölfarben geschenkt bekommen. Von diesem Zeitpunkt an beschäftige ich mich mit der Ölmalerei.
Ich habe 12 Jahre in Dresden an der HfBK studiert, mit Unterbrechungen durch die Ankunft meiner Kinder.
Im Moment bin ich Meisterschülerin bei Prof. Ralf Kerbach.

Mein Hauptanliegen in der Malerei ist es, Erlebtes, Erfahrungen und Wunschvorstellungen bildnerisch umzusetzen. Dabei liegt mein Hauptaugenmerk auf der menschlichen Figur, die in meinen, meistens großformatigen, Öl-Bildern oft in Form von mir Selbst oder mir nahestehenden Menschen dargestellt sind. Neben der menschlichen Figur beschäftige ich mich auch mit der Vielfalt von Ornamenten und bringe diese als Fläche mit in meine Bilder ein.
Die Selbstdarstellung ist mir sehr wichtig, da es für mich auch ein Selbsterkennungs-, und Verarbeitungsprozess von Gefühlszuständen ist und ich stelle mir dabei jedes Mal auf das Neue, die Aufgabe meine Gefühle auf die Leinwand zu bringen.
Interessant finde ich auch, wenn es mir gelingt, hinter „Gesichtsfassaden“ zu schauen und dieses scheinbar Unsichtbare mit malerischen Mitteln festzuhalten. Eine besondere Vorliebe habe ich dafür bei älteren Menschen.

Zu den Menschen und den Ornamenten auf meinen Bildern ist Rost neu dazu gekommen.

Für mich ist Rost ein Zeichen für Vergänglichkeit und für Veränderungen.
Nichts ist beständig – Kinder kommen, werden groß und gehen ihre Wege – Körper verändern sich – Freundschaften verändern sich – Menschen sterben…

Veränderung ist gleichzeitig schön und interessant, aber auch schmerzvoll – wenn Freunde gehen – wenn Kinder aus dieser anfänglichen innigen Nähe sich mehr und mehr auf die eigene Suche machen – loslassen…

Rost ist eine Auflösung und Veränderung der Materie – wie auch die Beziehung zu anderen Menschen und das Leben an sich.

Ich habe gemerkt, dass sich während des Prozesses mit den Rostfarben (Oxidation) nicht vorher bestimmen lässt, wie sich die Rostfarbe entwickelt. Es ist jedes mal eine große Überraschung zu erleben was auf der Leinwand passiert.

Es entstehen dadurch Strukturen, die mit Malerei kaum zu erreichen sind. Diese Verbindung zwischen meiner figürlichen Malerei, die ich beeinflussen kann und den Rosteffekten, die entstehen und zum Teil ihr Eigenleben entwickeln finde ich sehr faszinierend.

Bild: „Yael“

Es ist ein blasser, zarter Schimmer von einem Menschen, der immer präsenter wird. Die Linien werden mit dem zu nehmendem Alter stärker werden.

Bild: „Simcha“

Das Kind steht im Vordergrund. Im Hintergrund sind Ornamente mit Vögeln und Pflanzen zu sehen. Sie stehen für das „vorwärts bewegen“ und „Wachstum“.
Der Körper und Teile des Hintergrundes sind mit Rost überzogen – auch das Kind wird älter und vergänglich.
Vom hilfebedürftigem Baby zum immer mehr selbstständig werdendem Menschen. Es bleibt nichts beständig, alles ist in ständiger Veränderung, nichts kann „haltbar“ gemacht werden.

Bild: „Yael mit Maske“

Im Hintergrund sind wieder Pflanzen und Tiere zu sehen, für das Leben und Wachstum.
Die Maske dient als „Geheimnis“. Was und wer verbirgt sich hinter diesem kleinen Menschen? Wie wird er werden wenn er groß ist? Alles verändert sich an diesem kleinen Körper. Er wird größer, wird laufen und seine Wege gehen.

Bild: „leben“

Das Leben ist vergänglich.
Jeder gestaltet sich das Leben selbst und hält es am „eigenen Faden“ und kann bestimmen wie sehr es leuchtet.
Es ist eine Kunst, auch in schwierigen Zeiten den Faden „weiter zu wickeln“ und das eigene Licht zu schützen.
Wir sind nicht beständig, alles ist in Bewegung – im kommen und wieder gehen – wir wachsen, reifen, werden alt und gehen wieder – ein unaufhaltsamer Prozess.
Die große Eizelle und die darauf zu strömenden Samen symbolisieren das neue Leben und gleichzeitig das Verwelken des Lebens.

Bild: „Entwicklung“

Der rostige Boden dient als Fundament für Veränderung. Auf Vergangenes kommt neues Leben und wieder Veränderung.
„Vorhang auf für das Leben“
Kinder bedeuten große Veränderung in unserem Leben. Wir verändern uns schneller durch die Kinder. Sie zeigen uns wer wir sind.
Die Wolken stehen für das „Vorüberziehen“. Das Leben verändert sich so schnell und unaufhaltsam weiter.

Bild: „Schwein sein“

Das Bedürfnis dieses Bild zu malen hatte ich, nachdem ich das Buch von Jonathan Safran Foer „Tiere essen“ gelesen habe. Die detaillierte Beschreibung wie es in der Massentierhaltung zugeht, welche barbarischen Zustände dort herrschen und welche Auswirkungen diese Tierhaltung haben, haben mich zutiefst geschockt, aufgewühlt und sehr wütend und traurig gemacht.

„Was wäre wenn der Mensch, wie ein Schwein in der Massentierhaltung, entbindet?“
„Wo ist die Einfühlung der Menschen geblieben?“
Wenn der Mensch in der Lage wäre, sich in diese Tiere einzufühlen, würde es keine Massentierhaltungen mehr geben.
Das Muttertier kann sich nicht mal drehen und bewegen in dem Käfig. Es hatte eine Geburt, liegt auf kalten Boden und daneben, durch die Gitterstäbe der Mutter getrennt, liegt das Ferkel ebenfalls auf kalten Fußboden.
„Was wird für ein Aufwand bei Menschen für die Geburt betrieben?“ Dieses Schwein hatte auch eine Geburt.

Ein Künstler, den ich sehr bewundere, ist Auguste Rodin. Er sagte einmal folgenden Satz, der mich schon viele Jahre begleitet „...Das wichtigste ist Rührung zu empfinden, zu lieben, zu hoffen, zu beben. Ein Mensch zu sein bevor man Künstler ist.“ Ich kann diesen Satz mit meinen eigenen Erfahrungen nur bestätigen und empfinde es als Schönheit, wenn ich dies auch bei den Menschen hervorrufen kann, die meine Bilder betrachten.